Letzte Woche war es nun endlich soweit.
Erstaunlich eigentlich, dass ich es bis ins 4. Semester geschafft
habe, bevor dieser Tag kam. Der Tag, an dem ich niemanden
organisieren konnte, der die Kinder aus dem Kindergarten abholt, ich
aber gleichzeitig einen von diesen Bio-Kursen habe, in denen ich nur
mit Attest fehlen darf. Ein Freitagskurs in Ökologie, der bis
17:45 dauert und ein Kindergarten, der um 16:00 schließt.
Also habe ich die Jungs mitgenommen.
Der Kurstag startete um 14:00 mit einer
theoretischen Einführung. Ich hatte Julian und Leo bereits im
Vorfeld geimpft, dass man sich in der Uni ruhig verhalten und
ordentlich benehmen muss. Julian setzte sich auch gleich aufrecht hin
und war sehr gespannt (ganz der werdende Schüler eben). Er
lauschte dem Dozenten aufmerksam, der über verschiedene
Vogelarten, ihre Gesänge und ihr Verhalten sprach. Nach ein paar
Minuten beugte er sich zu mir hinüber und fragte mich flüsternd:
„Ist das da vorne euer Bestimmer?“
Leo hingegen suchte sich einen Platz
unter dem Tisch und inspizierte das Schuhwerk meiner Kommilitonen.
Aber auch er tat das ziemlich leise und so hatte ich keinen Grund zur
Ermahnung. Außerdem tuschelten die Studenten um uns herum so
laut, dass nicht einmal Julians aufgeregt gerufenes „Mama, schau,
ein Rotkehlchen, das kenne ich!“ weiter störte.
Ich hatte Glück, es war immerhin
ein „kinderfreundlicher“ Kurstag. Nach der theoretischen
Einführung wurden wir „ins Feld“ entlassen, wo wir Vögel
beobachten und ihr Verhalten beschreiben und dokumentieren sollten.
Julian und Leo wischten aus dem Praktikumsraum an Dozenten und
Tutoren vorbei in den Gang hinaus, lachend, schreiend, sich
gegenseitig fangend, wie Kinder das halt so tun, wenn es raus in die
Pause geht. Das Dozenten-Tutoren-Team sah ihnen verdutzt hinterher:
„Zu wem gehören denn die Kinder?“
„Das wären dann wohl meine,“
gestand ich.
„Waren die die ganze Zeit schon
hier?“
Da sieht man mal wieder, wie genau der
Dozent seine Studenten während des Vortrags anschaut! (Und wie
laut die restlichen Studenten sind, so dass zwei kleine Kinder
dazwischen gar nicht auffallen.)
Unsere Studentengruppe wurde
glücklicherweise in einen Park eingeteilt, in dem neben den zu
untersuchenden Vögeln auch ein wunderschöner Spielplatz zu
finden war und ich muss zugeben, dass meine Kinder nicht die einzigen Gruppenmitglieder waren, die lieber schaukeln wollten, als das Fluchtverhalten von Amseln zu untersuchen (Ich schließe
mich selbst da gar nicht aus).
Nach unseren Vogel- und
Spielplatzuntersuchungen kehrten wir zur Nachbesprechung der Ergebnisse in den
Kursraum zurück. Diesmal kroch auch Julian zu seinem Bruder
unter den Tisch. Zunächst veranstalteten die beiden dort unten
ein kleines Brezenpicknick, der Spielplatzbesuch hatte wohl hungrig
gemacht. Die Nachbesprechung zog sich jedoch in die Länge und
die Unruhe bei Studenten und Kindern nahm sichtlich zu. Während
sich das bei den Studenten in lauterem Gerede mit den Nachbarn und
vermehrtem Herumrutschen auf den Stühlen zeigte, begannen meine
Kinder allmählich, ihr Gebiet unter den Tischen zu erkunden. Sie
krabbelten die Tischreihe entlang von Beinpaar zu Beinpaar und
machten sich mit meinen Kommilitonen bekannt. Ich überlegte kurz
einzugreifen, hatte dann aber das Gefühl, dass die beiden gar
nicht unbedingt als Störung, sondern vielmehr als willkommene
Ablenkung gesehen wurden und ließ sie somit ihren Streifzug
fortführen.
Was soll ich sagen? Meine Kinder finden
es toll an der Uni. Sie wollen jetzt öfter mitkommen.
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