Mittwoch, 2. Juli 2014

Unsere ganz persönliche Kinder-Uni

Letzte Woche war es nun endlich soweit. Erstaunlich eigentlich, dass ich es bis ins 4. Semester geschafft habe, bevor dieser Tag kam. Der Tag, an dem ich niemanden organisieren konnte, der die Kinder aus dem Kindergarten abholt, ich aber gleichzeitig einen von diesen Bio-Kursen habe, in denen ich nur mit Attest fehlen darf. Ein Freitagskurs in Ökologie, der bis 17:45 dauert und ein Kindergarten, der um 16:00 schließt.
Also habe ich die Jungs mitgenommen.
Der Kurstag startete um 14:00 mit einer theoretischen Einführung. Ich hatte Julian und Leo bereits im Vorfeld geimpft, dass man sich in der Uni ruhig verhalten und ordentlich benehmen muss. Julian setzte sich auch gleich aufrecht hin und war sehr gespannt (ganz der werdende Schüler eben). Er lauschte dem Dozenten aufmerksam, der über verschiedene Vogelarten, ihre Gesänge und ihr Verhalten sprach. Nach ein paar Minuten beugte er sich zu mir hinüber und fragte mich flüsternd: „Ist das da vorne euer Bestimmer?“ 
Leo hingegen suchte sich einen Platz unter dem Tisch und inspizierte das Schuhwerk meiner Kommilitonen. Aber auch er tat das ziemlich leise und so hatte ich keinen Grund zur Ermahnung. Außerdem tuschelten die Studenten um uns herum so laut, dass nicht einmal Julians aufgeregt gerufenes „Mama, schau, ein Rotkehlchen, das kenne ich!“ weiter störte.
Ich hatte Glück, es war immerhin ein „kinderfreundlicher“ Kurstag. Nach der theoretischen Einführung wurden wir „ins Feld“ entlassen, wo wir Vögel beobachten und ihr Verhalten beschreiben und dokumentieren sollten. Julian und Leo wischten aus dem Praktikumsraum an Dozenten und Tutoren vorbei in den Gang hinaus, lachend, schreiend, sich gegenseitig fangend, wie Kinder das halt so tun, wenn es raus in die Pause geht. Das Dozenten-Tutoren-Team sah ihnen verdutzt hinterher: „Zu wem gehören denn die Kinder?“
„Das wären dann wohl meine,“ gestand ich.
„Waren die die ganze Zeit schon hier?“
Da sieht man mal wieder, wie genau der Dozent seine Studenten während des Vortrags anschaut! (Und wie laut die restlichen Studenten sind, so dass zwei kleine Kinder dazwischen gar nicht auffallen.)
Unsere Studentengruppe wurde glücklicherweise in einen Park eingeteilt, in dem neben den zu untersuchenden Vögeln auch ein wunderschöner Spielplatz zu finden war und ich muss zugeben, dass meine Kinder nicht die einzigen Gruppenmitglieder waren, die lieber schaukeln wollten, als das Fluchtverhalten von Amseln zu untersuchen (Ich schließe mich selbst da gar nicht aus).
Nach unseren Vogel- und Spielplatzuntersuchungen kehrten wir zur Nachbesprechung der Ergebnisse in den Kursraum zurück. Diesmal kroch auch Julian zu seinem Bruder unter den Tisch. Zunächst veranstalteten die beiden dort unten ein kleines Brezenpicknick, der Spielplatzbesuch hatte wohl hungrig gemacht. Die Nachbesprechung zog sich jedoch in die Länge und die Unruhe bei Studenten und Kindern nahm sichtlich zu. Während sich das bei den Studenten in lauterem Gerede mit den Nachbarn und vermehrtem Herumrutschen auf den Stühlen zeigte, begannen meine Kinder allmählich, ihr Gebiet unter den Tischen zu erkunden. Sie krabbelten die Tischreihe entlang von Beinpaar zu Beinpaar und machten sich mit meinen Kommilitonen bekannt. Ich überlegte kurz einzugreifen, hatte dann aber das Gefühl, dass die beiden gar nicht unbedingt als Störung, sondern vielmehr als willkommene Ablenkung gesehen wurden und ließ sie somit ihren Streifzug fortführen.

Was soll ich sagen? Meine Kinder finden es toll an der Uni. Sie wollen jetzt öfter mitkommen.

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