Montag, 15. September 2014

Auf ein Neues: Der Kampf mit dem Stundenplan

Wenn der Semesterstart langsam näher rückt, warte ich auf einen Tag, an dem ich Zeit und Ruhe habe und an dem ich mich stark genug fühle für die Herausforderung: die Erstellung des Stundenplans. Ich habe ja auch letztes Semester bereits von den zahlreichen Widrigkeiten erzählt, die sich uns Studenten dabei in den Weg stellen (http://www.kreide-kids.blogspot.de/2014/04/die-erste-prufung-des-semesters-die.html) und auch dieses Jahr scheint es nicht leichter zu werden.

Wie immer beginne ich mit der Frage: Was muss ich eigentlich belegen? Ich lege eine Liste an mit all den Vorlesungen und Seminaren, die für mich dieses Semester vorgesehen sind. Der Plan ist, dass ich mir dann die betreffenden Veranstaltungen aus dem Vorlesungsverzeichnis heraussuche und mögliche Zeiten notiere, um sie dann im dritten Schritt so abzugleichen, dass alles in den Stundenplan passt und sich nichts überschneidet. Soweit die Theorie.
In der Praxis stellt mich bereits der erste Punkt vor Probleme. Wie ist das in EWS? Im Bereich GWS müssen insgesamt 9 ECTS erworben werden, davon mindestens 3 aus Theologie/Philosophie. Im Vorlesungsverzeichnis finde ich die entsprechenden Vorlesungen unterteilt in 5.1 und 5.2. Aus welchem Bereich müssen die mindestens 3 ECTS sein? Oder ist das egal? Darf man 5.2 vor 5.1 machen? Wenn die Reihenfolge egal ist, warum sind die Vorlesungen denn dann überhaupt unterteilt?
Immer wieder bringen mich auch die Veranstaltungen zum Verzweifeln, die ich irgendwann im Laufe des Studiums belegt haben muss. Wie zum Beispiel in Kunst dieses ominöse Seminar 1.3. Oder die Basisquali in Musik. Noch rätselhafter: Die Basisquali in Sport. Dazu muss ich mich irgendwie mit der TU in Verbindung setzen. Wie? Keine Ahnung.
Um Antworten auf meine Fragen zu finden, schaue ich mal bei Facebook rein. Hier wird auch bereits in verschiedenen Gruppen heiß diskutiert. Welches Begleitseminar ist das richtige für welches Praktikum? Welche Vorlesung ist zu empfehlen? Was MUSS belegt werden, was KANN ? Wie viele ECTS-Punkte bekomme ich auf eine bestimmte Veranstaltung und wie viele brauche ich eigentlich?
Auch in privaten Nachrichten mit meinen Freunden wird hin und her gefragt, gegenseitig schicken wir uns unsere Stundenplanentwürfe zu. Hast du das auch? Hab ich was vergessen? Warum machst du das nicht?
Ein weiteres Problem – alle Jahre wieder: Die unterschiedlichen Anmeldezeiträume. In Deutsch bereits lange vorbei, in Bio-Didaktik grad mittendrin und in Mathe auch – Moment! Mathe: - Da kann ich mich ja auf Lsf gar nicht anmelden, da muss ich auf die Homepage von Mathe-Didaktik. Und die restlichen Fächer? Da kommt der Anmeldezeitraum erst noch. Aber wann? Oder hab ich ihn womöglich schon verpasst?
Meine Anmeldung zum dritten Praktikum hab ich letztes Semester verpasst. Da hätte ich mich im Februar anmelden müssen. Für das Praktikum, das ich SS15 machen möchte. Als mir mein Versäumnis aufgefallen ist, habe ich im Praktikumsamt angerufen. Dort riet man mir, eine Mail zu schreiben mit meinem Anliegen. Im Juli hab ich die Mail geschrieben. Eine Antwort habe ich bislang nicht bekommen.
Und dann habe ich da noch ein ganz persönliches Alleinerziehende-Mutter-Problem. Ich muss in Bio-Didaktik ein Seminar belegen, dass dienstags von 16-20h stattfindet. Wie soll ich das machen? Was soll ich mit meinen Kindern machen in der Zeit? Bis 20 Uhr! Bis ich daheim bin, ist es halb neun. Bis dahin sollen meine Kinder schon längst im Bett liegen. Ich schreibe also wieder eine verzweifelte Mail, diesmal an die Bio-Didaktik. Kann ich vielleicht statt dieses Seminars das entsprechende für Hauptschul-Lehramtler belegen? Aber auch hier: Seit zwei Wochen keine Antwort. Und der Anmeldezeitraum endet heute.

Ich bin genervt, ich bin entmutigt, meine Ruhe und Stärke sind aufgebraucht. Ich schiebe den Stundenplan von mir. Ich muss ein andermal weitermachen.

Dienstag, 15. Juli 2014

WM-Wissen kompakt für Grundschüler

Unglaublich, aber wahr: Deutschland ist Weltmeister!

Und während sich die anfängliche Euphorie langsam senkt und ich beginne, mich wieder dem Alltag zuzuwenden, ziehe ich Résümé. Auch bei uns zu Hause wurde wochenlang mitgefiebert, mitgeschaut, mitgesammelt. Und da gibt es doch immer wieder Leute, die behaupten, so eine Fußball-Weltmeisterschaft halte die Kinder vom Lernen ab. Ich habe da andere Erfahrungen gemacht.
Hier eine Zusammenfassung dessen, was mein Sohn Julian (6 Jahre, Vorschulkind, er kommt erst im Herbst in die Schule) im Laufe der vergangenen fünf Wochen alles gelernt hat. Und zwar vollkommen ohne Druck und freiwillig! (Und ganz abgesehen von umfangreichem Fußballwissen natürlich.) Er weiß jetzt...
  • Mathe:
    - ...wie man Zahlen einordnet. Den Zahlenraum bis 640 beherrscht er mittlerweile recht gut (danke, Panini!) Man beachte an dieser Stelle den automatisch ansteigenden Schwierigkeitsgrad: Bereits aufgeklebte Panini-Bilder ergeben „Kleksaufgaben“ und das Finden der richtigen Stelle für den Aufkleber wird so immer schwieriger je mehr Bildchen schon im Heft sind.
    - ...wie man Zahlen liest (Achtung, Stolperstelle Inversion im Deutschen!)
    - ...wie man Zahlen zusammenzählt und vergleicht (3 Punkte für einen Sieg, 1 Punkt für unentschieden, wer steht also wo in der Tabelle?) Ich denke da auch an vielfältige Sachaufgaben („36 Minuten gespielt. Wie lange noch bis zur Halbzeit?“ „45 Minuten sind rum, der Schiedsrichter lässt 3 Minuten nachspielen.“ Analyse und Selbsterstellen von Spielstatistiken,...)
  • HSU:
    - ...welches Land welche Flagge hat
    - ...welche Sprache man wo spricht
    - ...was eine Nationalhymne ist
    - ...dass 45 Minuten das Gleiche ist wie eine Dreiviertelstunde (und wie lange er wach bleiben darf, wenn a) das Spiel um 21:00 beginnt und b) es Verlängerung gibt)
    - ...was eine Zeitverschiebung ist und warum es die gibt
    - ...wie unsere Bundeskanzlerin heißt und welche Kleidung sie am liebsten trägt
    - ...wie das Wahrzeichen von Rio de Janeiro aussieht (auch wenn ich bis zum letzten Spieltag gebraucht habe, um ihn davon zu überzeugen, dass Cristo nicht das Münchner Kindl ist)
  • Deutsch:
    - ...dass man Robbe mit „bb“ schreibt (danke hier an die Niederlande)
  • soziale Kompentenzen:
    - ...dass auch starke Männer mal weinen dürfen
    - ...dass man sich, wenn man gewinnen will, etwas Anderes einfallen lassen muss als Schlagen und Treten
  • Sport:
    - Hier stand umfangreiches Lauf-, Schieß- und Konditionstraining auf dem Programm, sowie das Nachstellen von Spielsituationen in Zeitlupe (inklusive Mimik der Spieler!)

So eine WM eignet sich also ganz hervorragend für fächerübergreifenden Unterricht. Und fragen wir nicht sowieso immer nach Themen, mit denen wir endlich mal auch die Jungs zum Lernen motivieren können? (Mal ganz abgesehen davon, dass ich überzeugt davon bin, dass auch zahlreiche Mädchen in den vergangenen Wochen der WM-Leidenschaft erlegen waren.) Wir suchen doch immer nach Lebensweltbezug und Schülerorientierung im Unterricht – hier haben wir es.

In vier Jahren ist wieder WM. Bis dahin bin ich (hoffentlich) selbst im Schuldienst. Dank meines Sohnes habe ich nun vielfältige Ideen, wie ich das Fußballfieber mit in den Unterricht nehmen kann um es dort produktiv umzusetzen.
Ach, und liebe Nationalmannschaft: Es wäre echt super, wenn ihr in vier Jahren auch wieder den Pokal holen könntet. Damit die Lernmotivation meiner Schüler auch bis zum letzten WM-Tag entsprechend hoch bleibt. Vielen Dank!

Freitag, 4. Juli 2014

Endspurt

Zu Semesterende wird es hart. Immer. Hausarbeiten wollen geschrieben werden, Portfolios sind abzugeben und für Klausuren muss gebüffelt werden. Aber das Ende des Sommersemesters ist noch ein bisschen härter als das im Winter. Denn das Wetter ist so schön und die Tage so lang und es fallen einem so viele Dinge ein, die man lieber machen möchte als lernen: Schwimmen gehen, an der Isar grillen, in den Biergarten radeln, im Park picknicken, ein Open-Air-Kino besuchen, über den Flohmarkt trödeln, auf einem Straßenfest feiern (oder sonstwo unter freiem Himmel) und und und... Und dann hat man ja immer Angst, das gute Wetter könnte morgen schon wieder vorbei sein, also lieber heute noch mal schnell ausnutzen!
Ich habe mich mittlerweile schon damit abgefunden, dass das Sommersemester grundsätzlich etwas weniger effektiv ausfällt als das im Winter. Und die Noten ein bisschen schlechter. Aber dieses Jahr ist es noch schlimmer. Denn zusätzlich zu Sonnenschein und lauen Nächten ist jetzt auch noch WM! Und wenn man rechtzeitig zum Public Viewing im Biergarten sein möchte, fallen die Nachmittage zum Lernen schon mal aus. Die Abende als Folgeerscheinung ebenso. Und wenn man sich das nächtliche Spiel auch noch reinzieht, kann man eigentlich auch den folgenden Tag vergessen. Wann also, liebe Dozenten, wann sollen wir denn bitte dieses Jahr lernen?

Mittwoch, 2. Juli 2014

Unsere ganz persönliche Kinder-Uni

Letzte Woche war es nun endlich soweit. Erstaunlich eigentlich, dass ich es bis ins 4. Semester geschafft habe, bevor dieser Tag kam. Der Tag, an dem ich niemanden organisieren konnte, der die Kinder aus dem Kindergarten abholt, ich aber gleichzeitig einen von diesen Bio-Kursen habe, in denen ich nur mit Attest fehlen darf. Ein Freitagskurs in Ökologie, der bis 17:45 dauert und ein Kindergarten, der um 16:00 schließt.
Also habe ich die Jungs mitgenommen.
Der Kurstag startete um 14:00 mit einer theoretischen Einführung. Ich hatte Julian und Leo bereits im Vorfeld geimpft, dass man sich in der Uni ruhig verhalten und ordentlich benehmen muss. Julian setzte sich auch gleich aufrecht hin und war sehr gespannt (ganz der werdende Schüler eben). Er lauschte dem Dozenten aufmerksam, der über verschiedene Vogelarten, ihre Gesänge und ihr Verhalten sprach. Nach ein paar Minuten beugte er sich zu mir hinüber und fragte mich flüsternd: „Ist das da vorne euer Bestimmer?“ 
Leo hingegen suchte sich einen Platz unter dem Tisch und inspizierte das Schuhwerk meiner Kommilitonen. Aber auch er tat das ziemlich leise und so hatte ich keinen Grund zur Ermahnung. Außerdem tuschelten die Studenten um uns herum so laut, dass nicht einmal Julians aufgeregt gerufenes „Mama, schau, ein Rotkehlchen, das kenne ich!“ weiter störte.
Ich hatte Glück, es war immerhin ein „kinderfreundlicher“ Kurstag. Nach der theoretischen Einführung wurden wir „ins Feld“ entlassen, wo wir Vögel beobachten und ihr Verhalten beschreiben und dokumentieren sollten. Julian und Leo wischten aus dem Praktikumsraum an Dozenten und Tutoren vorbei in den Gang hinaus, lachend, schreiend, sich gegenseitig fangend, wie Kinder das halt so tun, wenn es raus in die Pause geht. Das Dozenten-Tutoren-Team sah ihnen verdutzt hinterher: „Zu wem gehören denn die Kinder?“
„Das wären dann wohl meine,“ gestand ich.
„Waren die die ganze Zeit schon hier?“
Da sieht man mal wieder, wie genau der Dozent seine Studenten während des Vortrags anschaut! (Und wie laut die restlichen Studenten sind, so dass zwei kleine Kinder dazwischen gar nicht auffallen.)
Unsere Studentengruppe wurde glücklicherweise in einen Park eingeteilt, in dem neben den zu untersuchenden Vögeln auch ein wunderschöner Spielplatz zu finden war und ich muss zugeben, dass meine Kinder nicht die einzigen Gruppenmitglieder waren, die lieber schaukeln wollten, als das Fluchtverhalten von Amseln zu untersuchen (Ich schließe mich selbst da gar nicht aus).
Nach unseren Vogel- und Spielplatzuntersuchungen kehrten wir zur Nachbesprechung der Ergebnisse in den Kursraum zurück. Diesmal kroch auch Julian zu seinem Bruder unter den Tisch. Zunächst veranstalteten die beiden dort unten ein kleines Brezenpicknick, der Spielplatzbesuch hatte wohl hungrig gemacht. Die Nachbesprechung zog sich jedoch in die Länge und die Unruhe bei Studenten und Kindern nahm sichtlich zu. Während sich das bei den Studenten in lauterem Gerede mit den Nachbarn und vermehrtem Herumrutschen auf den Stühlen zeigte, begannen meine Kinder allmählich, ihr Gebiet unter den Tischen zu erkunden. Sie krabbelten die Tischreihe entlang von Beinpaar zu Beinpaar und machten sich mit meinen Kommilitonen bekannt. Ich überlegte kurz einzugreifen, hatte dann aber das Gefühl, dass die beiden gar nicht unbedingt als Störung, sondern vielmehr als willkommene Ablenkung gesehen wurden und ließ sie somit ihren Streifzug fortführen.

Was soll ich sagen? Meine Kinder finden es toll an der Uni. Sie wollen jetzt öfter mitkommen.

Sonntag, 8. Juni 2014

Wenn die Liebe wichtiger ist als die Umwelt

Die Klasse 1d, meine Praktikumsklasse, macht einen Ausflug in den Tierpark. Die erste Attraktion wartet allerdings bereits vor dem Zoo auf uns. Die Tierparkbrücke, die man überqueren muss, um von der U-Bahn in den Tierpark Hellabrunn zu gelangen, ist – wie mittlerweile so viele Brücken – übersät von Vorhängeschlössern. Die vielen schönen bunten Schlösser faszinieren die Kinder sehr und natürlich taucht sofort die Frage nach dem „Warum?“ auf. Ich erkläre: „Viele Verliebte hängen als Symbol für ihre Liebe hier ein Schloss an die Brücke. Den Schlüssel werfen sie in die Isar. Sie hoffen, dass ihre Liebe dann genauso lang hält wie das Schloss an der Brücke.“
Langsam wandern wir an den Schlössern entlang, die Kinder fassen sie an, betrachten die Inschriften.
„Und was passiert, wenn die Liebe doch nicht hält und die Leute sich trennen?“ fragt Johanna. Berechtigte Frage, finde ich. Rabia hat eine gute Lösung: „Dann muss man sich als nächstes einfach in jemanden verlieben, der den gleichen Anfangsbuchstaben hat, dann kann man das Schloss hängen lassen.“
Wir diskutieren noch eine Weile weiter bis wir am Tierpark angelangt sind. Wir bekommen dort eine Führung zu den Flamingos, den Giraffen, den Orang-Utans und den Wölfen. Und natürlich sehen wir uns auch die süßen Eisbärbabys an. Vorübergehend sind Schlösser und Verliebte vergessen.
Aber auf dem Heimweg gehen wir über die Brücke. An meiner Hand geht Lina. Sie grübelt vor sich hin.
„Ist das nicht schlecht für die Umwelt eigentlich, wenn die Leute alle ihre Schlüssel einfach in den Fluss werfen?“ fragt sie. Puh, darüber habe ich noch nie nachgedacht.
„Naja, gut ist es vermutlich nicht...“ antworte ich zögerlich.
„Ich versteh schon,“ sagt Lina, „den Menschen ist in dem Moment ihre Liebe wichtiger als die Umwelt.“ Ich muss lachen.
Lina macht noch immer ein nachdenkliches Gesicht. Die Schlösser scheinen sie weiterhin zu beschäftigen. Eine ganze Weile sagt sie gar nichts, erst als wir schon am U-Bahnsteig stehen, meint sie: „Meine Eltern haben kein Schloss hier an der Brücke. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie sich trotzdem lieben. Ich glaube, man braucht nicht unbedingt ein Schloss, damit die Liebe hält.“

Und ich glaube, Kinder sind manchmal sehr viel klüger als Erwachsene.