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Montag, 19. Mai 2014

Das Drama um den Hortplatz, Teil 2

Ich hatte ja schon über das Drama berichtet, dass sich alljährlich bei der Suche nach einem Betreuungsplatz abspielt (Alle Jahre wieder: Der Kampf um einen Betreuungsplatz ). Mein aktuelles Drama – der Kampf um einen Hortplatz – ist mittlerweile in die nächste Runde gegangen:
Tatsächlich fand ich vor ein paar Wochen einen Brief mit dem ersehnten grünen Fenster in meinem Briefkasten: Eine Zusage der Stadt München! Ernüchterung jedoch beim Öffnen des Briefes. Julian hat nicht etwa einen Platz im Hort seiner Schule bekommen, sondern die Zusage stammte aus dem Hort der nahe gelegenen Hauptschule.
Ich rief dort an und fragte nach. Im Grundschulhort gäbe es keine freien Plätze, informierte man mich, es lägen 80 Anmeldungen für 18 freie Plätze vor. Ich wollte wissen, nach welchen Kriterien diese Plätze vergeben werden. Man sagte mir, Vorrang bei der Vergabe hätten 1. Kinder, die in die erste Klasse kommen (ja, das tut Julian), 2. Kinder, bei denen die betreffende Schule die Sprengelschule sei (ja, ist sie) und 3. Kinder, deren Eltern entweder beide berufstätig sind oder deren alleinerziehender Elternteil berufstätig ist (ich bin zwar in Ausbildung, aber das gilt auch). Alle Kriterien treffen also auf Julian zu. Warum er trotzdem keinen Platz bekommen hat? Wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt und alle die Kriterien erfüllen, entscheidet das Los, behauptete man. Ich hätte wohl Pech gehabt beim Losen. Ich wundere mich: Ich weiß, dass es Kinder gibt, deren Mütter nicht arbeiten, die diesen Hort besuchen. Und Kinder, die eine andere Schule besuchen als die zum Hort gehörige. Warum haben die einen Platz und ich nicht? Darüber konnte man mir leider keine Auskunft geben.
Aber es sei ja nun eine Lösung gefunden worden, hieß es dann. Julian solle einfach nach der Schule in den Hort der Hauptschule gehen.
Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Hauptschüler, ganz und gar nicht. Aber mein Sohn ist sechs Jahre alt, er kommt in die erste Klasse. Er soll nach der Schule als einziger aus seiner Klasse alleine über drei Straßen spazieren und den Nachmittag in einer Gruppe von Schülern verbringen, die alle mindestens vier Jahre älter sind als er?

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Kann ich meinem Sohn das zumuten? Und wenn ich den Hauptschulplatz absage, habe ich dann noch eine Chance auf einen Nachrückplatz in der Grundschule? Oder denken die sich dann, so dringend kann es ja mit einem Hortplatz bei mir nicht sein, wenn ich den anderen abgelehnt habe? Und was wäre die Alternative? Gar kein Hortplatz? Das würde das Ende meines Studiums bedeuten. Aber kann ich mein Studium über das Wohl meines Sohnes stellen? Gehört es aber nicht auch zum Wohl meines Kindes, dass ich meine Ausbildung abschließe, um einen Beruf ergreifen zu können anstatt von Arbeitslosengeld leben zu müssen? Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nur, ich will mein Studium weiterführen. Und ich will, dass mein Sohn eine angenehme Schulzeit hat. Ich kann nicht begreifen, warum das ein Widerspruch sein muss, warum nicht beides möglich ist.

Montag, 5. Mai 2014

Alle Jahre wieder: Der Kampf um einen Betreuungsplatz

Betreuungsplätze für Kinder in München sind Mangelware. Weiß eigentlich jeder, oder? Vor fünf Jahren wusste ich es noch nicht. Oder ich machte mir zumindest keine Vorstellung von dem tatsächlichen Ausmaß. Mit einem einjährigen Julian spazierte ich damals in eine Kinderkrippe und wollte mein Kind anmelden. Die bearbeitende Erzieherin sah mich verwirrt an: „Dieses Kind wollen Sie anmelden? Aber es ist ja schon geboren!“
Nennt mich naiv, aber ich wusste tatsächlich NICHT, dass man sein Kind für eine Kinderkrippe anmelden muss, sobald man den zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest erahnen kann.
„Ich will ja auch gar nicht, dass er jetzt sofort in die Krippe geht,“ versuchte ich zu erklären, „aber vielleicht so etwa in einem Jahr...“ Kopfschüttelnd nahm die Erzieherin meinen Antrag auf: „Ein Krippenplatz in München, das ist wie ein Sechser im Lotto!“
Natürlich habe ich nie einen Platz für Julian bekommen. Ich musste ihn in eine private Elterninitiative geben, in der wir Eltern selbst gekocht, geputzt und für kranke Erzieherinnen eingesprungen sind.
Bei Leo dachte ich dann, ich bin klüger. Ich war in der 10. Woche schwanger, als ich ihn – oder vielmehr: es (damals wusste ich ja noch nicht einmal, dass es ein Junge werden würde) – in der Krippe angemeldet habe. Aber auch für ihn habe ich erst einen Platz bekommen, als er schon zwei Jahre alt war. So musste Leo davor ein Jahr lang eine private Krippe besuchen, die mich monatlich so viel gekostet hat wie eine Zweitwohnung.
In der Zwischenzeit hatte aber bereits der Kampf auf der nächsten Stufe begonnen: Ich brauchte einen städtischen Kindergartenplatz für Julian. Mittlerweile alleinerziehend konnte ich mir eine private Einrichtung auf gar keinen Fall mehr leisten. Und wieder einmal sammelte ich Absage um Absage (sieben Stück insgesamt). Erst im Nachrückverfahren hatte ich Glück und Julian bekam einen Platz.
Dann durfte ich ein Jahr lang entspannen. Über die Geschwisterregelung bekam Leo wunderbar problemlos einen Platz in demselben Kindergarten.

Aber jetzt geht es wieder von vorne los. Julian kommt im Herbst in die Schule. Diese Woche habe ich die erste Absage vom Hort bekommen. Ich erwarte weitere. Jeden Morgen öffne ich mit zitternden Händen den Briefkasten. Die Absagen von städtischen Einrichtungen sind rosa. Das Rosa sieht man schon durch das Sichtfenster im Brief, da braucht man ihn eigentlich gar nicht mehr aufmachen. Rosa Briefe von der Stadt sind keine zärtlichen Liebesbriefe, sondern lösen in mir – sowie bestimmt in vielen anderen Müttern – pure Verzweiflung aus. Rosa Briefe bedeuten: Mütter, zurück ins Haus! Schluss mit Arbeit, Selbstständigkeit, Studium.
Aber noch ist der Kampf nicht verloren. Noch bleibt das Nachrückverfahren. Noch gebe ich nicht auf. Tag für Tag werde ich in den Hort spazieren und dort alle zu Tode nerven. Solange bis das Sichtfenster des städtischen Briefs grün wird.