Ich hatte ja schon über das Drama
berichtet, dass sich alljährlich bei der Suche nach einem
Betreuungsplatz abspielt
(Alle Jahre wieder: Der Kampf um einen Betreuungsplatz ).
Mein aktuelles Drama – der Kampf um einen Hortplatz – ist
mittlerweile in die nächste Runde gegangen:
Tatsächlich fand ich vor ein paar
Wochen einen Brief mit dem ersehnten grünen Fenster in meinem
Briefkasten: Eine Zusage der Stadt München! Ernüchterung
jedoch beim Öffnen des Briefes. Julian hat nicht etwa einen
Platz im Hort seiner Schule bekommen, sondern die Zusage stammte aus
dem Hort der nahe gelegenen Hauptschule.
Ich rief dort an und fragte nach. Im
Grundschulhort gäbe es keine freien Plätze, informierte man
mich, es lägen 80 Anmeldungen für 18 freie Plätze vor.
Ich wollte wissen, nach welchen Kriterien diese Plätze vergeben
werden. Man sagte mir, Vorrang bei der Vergabe hätten 1. Kinder,
die in die erste Klasse kommen (ja, das tut Julian), 2. Kinder, bei
denen die betreffende Schule die Sprengelschule sei (ja, ist sie) und
3. Kinder, deren Eltern entweder beide berufstätig sind oder
deren alleinerziehender Elternteil berufstätig ist (ich bin zwar
in Ausbildung, aber das gilt auch). Alle Kriterien treffen also auf
Julian zu. Warum er trotzdem keinen Platz bekommen hat? Wenn es mehr
Anmeldungen als Plätze gibt und alle die Kriterien erfüllen,
entscheidet das Los, behauptete man. Ich hätte wohl Pech gehabt
beim Losen. Ich wundere mich: Ich weiß, dass es Kinder gibt,
deren Mütter nicht arbeiten, die diesen Hort besuchen. Und
Kinder, die eine andere Schule besuchen als die zum Hort gehörige.
Warum haben die einen Platz und ich nicht? Darüber konnte man
mir leider keine Auskunft geben.
Aber es sei ja nun eine Lösung
gefunden worden, hieß es dann. Julian solle einfach nach der
Schule in den Hort der Hauptschule gehen.
Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Hauptschüler, ganz und gar nicht. Aber mein Sohn ist sechs Jahre alt, er kommt in die erste Klasse. Er soll nach der Schule als einziger aus seiner Klasse alleine über drei Straßen spazieren und den Nachmittag in einer Gruppe von Schülern verbringen, die alle mindestens vier Jahre älter sind als er?
Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Hauptschüler, ganz und gar nicht. Aber mein Sohn ist sechs Jahre alt, er kommt in die erste Klasse. Er soll nach der Schule als einziger aus seiner Klasse alleine über drei Straßen spazieren und den Nachmittag in einer Gruppe von Schülern verbringen, die alle mindestens vier Jahre älter sind als er?
Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Kann ich meinem Sohn das zumuten? Und wenn ich den Hauptschulplatz
absage, habe ich dann noch eine Chance auf einen Nachrückplatz
in der Grundschule? Oder denken die sich dann, so dringend kann es ja
mit einem Hortplatz bei mir nicht sein, wenn ich den anderen
abgelehnt habe? Und was wäre die Alternative? Gar kein
Hortplatz? Das würde das Ende meines Studiums bedeuten. Aber
kann ich mein Studium über das Wohl meines Sohnes stellen?
Gehört es aber nicht auch zum Wohl meines Kindes, dass ich meine
Ausbildung abschließe, um einen Beruf ergreifen zu können
anstatt von Arbeitslosengeld leben zu müssen? Ich weiß
nicht, was ich tun soll. Ich weiß nur, ich will mein Studium
weiterführen. Und ich will, dass mein Sohn eine angenehme
Schulzeit hat. Ich kann nicht begreifen, warum das ein Widerspruch
sein muss, warum nicht beides möglich ist.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen