Betreuungsplätze für Kinder
in München sind Mangelware. Weiß eigentlich jeder, oder?
Vor fünf Jahren wusste ich es noch nicht. Oder ich machte mir
zumindest keine Vorstellung von dem tatsächlichen Ausmaß.
Mit einem einjährigen Julian spazierte ich damals in eine
Kinderkrippe und wollte mein Kind anmelden. Die bearbeitende
Erzieherin sah mich verwirrt an: „Dieses Kind wollen Sie anmelden?
Aber es ist ja schon geboren!“
Nennt mich naiv, aber ich wusste
tatsächlich NICHT, dass man sein Kind für eine Kinderkrippe
anmelden muss, sobald man den zweiten Strich auf dem
Schwangerschaftstest erahnen kann.
„Ich will ja auch gar nicht, dass er
jetzt sofort in die Krippe geht,“ versuchte ich zu erklären,
„aber vielleicht so etwa in einem Jahr...“ Kopfschüttelnd
nahm die Erzieherin meinen Antrag auf: „Ein Krippenplatz in
München, das ist wie ein Sechser im Lotto!“
Natürlich habe ich nie einen Platz
für Julian bekommen. Ich musste ihn in eine private
Elterninitiative geben, in der wir Eltern selbst gekocht, geputzt und
für kranke Erzieherinnen eingesprungen sind.
Bei Leo dachte ich dann, ich bin
klüger. Ich war in der 10. Woche schwanger, als ich ihn – oder
vielmehr: es (damals wusste ich ja noch nicht einmal, dass es ein
Junge werden würde) – in der Krippe angemeldet habe. Aber auch
für ihn habe ich erst einen Platz bekommen, als er schon zwei
Jahre alt war. So musste Leo davor ein Jahr lang eine private Krippe
besuchen, die mich monatlich so viel gekostet hat wie eine
Zweitwohnung.
In der Zwischenzeit hatte aber bereits
der Kampf auf der nächsten Stufe begonnen: Ich brauchte einen
städtischen Kindergartenplatz für Julian. Mittlerweile
alleinerziehend konnte ich mir eine private Einrichtung auf gar
keinen Fall mehr leisten. Und wieder einmal sammelte ich Absage um
Absage (sieben Stück insgesamt). Erst im Nachrückverfahren
hatte ich Glück und Julian bekam einen Platz.
Dann durfte ich ein Jahr lang
entspannen. Über die Geschwisterregelung bekam Leo wunderbar
problemlos einen Platz in demselben Kindergarten.
Aber jetzt geht es wieder von vorne
los. Julian kommt im Herbst in die Schule. Diese Woche habe ich die
erste Absage vom Hort bekommen. Ich erwarte weitere. Jeden Morgen
öffne ich mit zitternden Händen den Briefkasten. Die
Absagen von städtischen Einrichtungen sind rosa. Das Rosa sieht
man schon durch das Sichtfenster im Brief, da braucht man ihn
eigentlich gar nicht mehr aufmachen. Rosa Briefe von der Stadt sind
keine zärtlichen Liebesbriefe, sondern lösen in mir –
sowie bestimmt in vielen anderen Müttern – pure Verzweiflung
aus. Rosa Briefe bedeuten: Mütter, zurück ins Haus! Schluss
mit Arbeit, Selbstständigkeit, Studium.
Aber noch ist der Kampf nicht verloren.
Noch bleibt das Nachrückverfahren. Noch gebe ich nicht auf. Tag
für Tag werde ich in den Hort spazieren und dort alle zu Tode
nerven. Solange bis das Sichtfenster des städtischen Briefs grün
wird.

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