Im Bio-Praktikum klingelte heute mein
Handy. Das heißt, es klingelte natürlich nicht, weil ich
mein Handy (selbstverständlich!) in der Uni immer auf lautlos
habe. Wir mussten aber im Rahmen der Übung rechnen und in
Ermangelung eines Taschenrechners benutzte ich mein Handy dafür.
Und nur deshalb hab ich überhaupt gesehen, dass jemand anrief:
Der Kindergarten. Wenn der Kindergarten anruft, ist das meist ein
schlechtes Zeichen, weil dann entweder ein Kind vom Klettergerüst
gestürzt ist, eine Platzwunde am Kopf hat, sich übergeben
hat oder eine sonstige Katastrophe eingetreten ist. Aber hat der
Kindergarten denn heute überhaupt noch offen? Es ist doch schon
nach fünf. Weil die Bio-Übung heute bis 18h dauert, habe
ich doch extra mit dem Papa ausgemacht, dass er die Jungs abholt. Was
kann der Kindergarten denn nach den Öffnungszeiten noch von mir
wollen?
Ohne weitere Erklärung flitze ich
mit meinem Handy aus dem Praktikumsraum.
„Julian und Leo sind immer noch da.“
„Wie, immer noch da? Der Papa hat sie
doch abgeholt.“
„Nein, sie sind immer noch hier.
Niemand hat sie abgeholt.“
„Ich komme, geben Sie mir 10
Minuten!“
In Windeseile packe ich mein Zeug
zusammen. Zum Glück sind wir so gut wie fertig mit unserem
Versuch und die Dozentin des heutigen Kurstages ist ausnahmsweise
verständnisvoll. Vielleicht hat sie selbst Kinder.
Ich renne zum Auto und gebe Gas (und da
soll noch mal einer sagen, mit Kindern braucht man kein Auto!), ich
bete, dass ich nicht geblitzt werde und rase los. Es ist genau 17
Minuten nach fünf, als ich vor dem Kindergarten zum Stehen
komme. Vor der Tür steht die Erzieherin, Jacke und Tasche in der
Hand, bereit zum Gehen, daneben meine Kinder, angezogen, wartend, den
Rucksack auf dem Rücken.
Niemand hat sie abgeholt.
Später hat er gesagt, es tut ihm
Leid. Er hat da irgendwie was verwechselt, er dachte, das mit meiner
18h-Übung sei erst eine Woche später. Ob er es irgendwie
wiedergutmachen kann?
Ich habe ihn morgen zum Reifenwechseln
bestellt.
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