Freitag, 9. Mai 2014

To Do

Um nicht zu vergessen, was ich noch alles erledigen muss, schreibe ich ToDo-Listen. Genau wie viele andere Menschen auch. Meine liegt links neben mir auf meinem Schreibtisch, so dass mich ein kleiner Blick nach links jederzeit daran erinnert, was noch alles getan werden muss.
Ich hasse die Liste. Sie setzt mich unter Druck. Sie lastet wie ein riesengroßer Rucksack auf meinen Schultern. Und sie wird nie leer! Streiche ich eine Sache von der Liste, schreibe ich unten zwei neue dazu. Nie habe ich einfach mal alles erledigt. Es ist furchtbar. Und erdrückend.

Aktuell steht Folgendes auf meiner Liste:
  • Tierphysio lernen (Klausur am 12.5.!)
  • Deutsch-Seminar: Stunde ausarbeiten (Methodische, didaktische Analyse, Artikulationsschema, Material beschaffen/basteln)
  • Psycho Vorlesung auf Video Online anschauen
  • Kunst: versäumte Vorlesung nachlernen
  • Kunst: Referat vorbereiten
  • SU-Didaktik: Referat vorbereiten
  • Grundschulpädagogik: Arbeitsauftrag (Hausaufgabe)
  • Schulranzen für Julian kaufen
  • Termin bei Kinderärztin ausmachen (Leo, U8)
  • Um Hortplatz kümmern!!!
  • Zentrale Gebührenstelle: Unterlagen zwecks Kindergeld, Unterhalt, Lohnabrechnungen,... zusammensuchen/anfordern und einreichen
  • Hallenturnschuhe für Julian kaufen (helle Sohle!)
  • Schulstunde für Dienstag planen
  • Klassenausflug organisieren (Wohin?)
  • Geburtstag Leo planen
  • Fußballverein für Julian suchen (Organisation/Finanzierung klären)

Schon ein einziger Blick auf die Liste löst Resignation in mir aus. Wie soll ich das nur je alles abarbeiten? Und wann? Die alltäglichen Pflichten wie Aufräumen, Putzen, Einkaufen, Kochen, Waschen, Bügeln,... stehen ja gar nicht auf der Liste.
Ich versuche, die Punkte nach Dringlichkeit zu ordnen. Was muss am schnellsten erledigt werden? Was ist am wichtigsten? Das Problem dabei ist, dass die Dinge, die ich persönlich für am wichtigsten erachte, nicht gleichzeitig auch die dringlichsten sind.
Bio ist am dringlichsten. Wie immer steht Bio ganz oben auf der Liste, die Klausur steht an. Ich verdränge den Gedanken daran, dass Bio das ist, was eigentlich am unwichtigsten ist. Ich werde das, was ich da lerne, nie in meinem künftigen Lehrerleben brauchen. Trotzdem verschlingt es 90% meiner Studienzeit. Bulimie-Lernen ist dieses Wochenende angesagt. Kurz vor der Prüfung mit Fakten und Begriffen vollstopfen, bei der Klausur alles von mir geben und es danach wieder vergessen.
Der Hortplatz ist auch sehr wichtig. Und die Unterrichtsstunde, die ist direkt nach der Bio-Klausur, die muss ich also auch dieses Wochenende ausarbeiten. Der Termin für die Abgabe meiner Unterlagen bei der zentralen Gebührenstelle (die sind für die Kindergartenbesuchsgebühren zuständig) rückt auch immer näher, darum muss ich mich also auch schnell kümmern. Den Rest schiebe ich erstmal, bis es dringlicher wird.
Julians Schulranzen schiebe ich schon sehr lange, genauso wie die Sache mit dem Fußballverein. Dabei weiß ich schon seit Monaten, dass er sich wünscht, in einen Verein zu gehen. Ich muss aber erst einen suchen, der in der Nähe ist, einen finden, die Zeiten abklären, überlegen, wer das zahlen soll.
Warum muss ich immer die Bedürfnisse und Wünsche meiner Kinder schieben? Warum muss ich mich als erstes um Bio kümmern, das Unwichtigste von allem? Und um lästige Bürokratieangelegenheiten wie Hortplatz und Gebührenstelle? Da stimmt doch irgendwas nicht in meinem Leben. Die Prioritäten sind vollkommen falsch verteilt!

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