Um nicht zu vergessen, was ich noch
alles erledigen muss, schreibe ich ToDo-Listen. Genau wie viele
andere Menschen auch. Meine liegt links neben mir auf meinem
Schreibtisch, so dass mich ein kleiner Blick nach links jederzeit
daran erinnert, was noch alles getan werden muss.
Ich hasse die Liste. Sie setzt mich
unter Druck. Sie lastet wie ein riesengroßer Rucksack auf
meinen Schultern. Und sie wird nie leer! Streiche ich eine Sache von
der Liste, schreibe ich unten zwei neue dazu. Nie habe ich einfach
mal alles erledigt. Es ist furchtbar. Und erdrückend.
Aktuell steht Folgendes auf meiner
Liste:
- Tierphysio lernen (Klausur am 12.5.!)
- Deutsch-Seminar: Stunde ausarbeiten (Methodische, didaktische Analyse, Artikulationsschema, Material beschaffen/basteln)
- Psycho Vorlesung auf Video Online anschauen
- Kunst: versäumte Vorlesung nachlernen
- Kunst: Referat vorbereiten
- SU-Didaktik: Referat vorbereiten
- Grundschulpädagogik: Arbeitsauftrag (Hausaufgabe)
- Schulranzen für Julian kaufen
- Termin bei Kinderärztin ausmachen (Leo, U8)
- Um Hortplatz kümmern!!!
- Zentrale Gebührenstelle: Unterlagen zwecks Kindergeld, Unterhalt, Lohnabrechnungen,... zusammensuchen/anfordern und einreichen
- Hallenturnschuhe für Julian kaufen (helle Sohle!)
- Schulstunde für Dienstag planen
- Klassenausflug organisieren (Wohin?)
- Geburtstag Leo planen
- Fußballverein für Julian suchen (Organisation/Finanzierung klären)
Schon ein einziger Blick auf die Liste
löst Resignation in mir aus. Wie soll ich das nur je alles
abarbeiten? Und wann? Die alltäglichen Pflichten wie Aufräumen,
Putzen, Einkaufen, Kochen, Waschen, Bügeln,... stehen ja gar
nicht auf der Liste.
Ich versuche, die Punkte nach
Dringlichkeit zu ordnen. Was muss am schnellsten erledigt werden? Was
ist am wichtigsten? Das Problem dabei ist, dass die Dinge, die ich
persönlich für am wichtigsten erachte, nicht gleichzeitig
auch die dringlichsten sind.
Bio ist am dringlichsten. Wie immer
steht Bio ganz oben auf der Liste, die Klausur steht an. Ich
verdränge den Gedanken daran, dass Bio das ist, was eigentlich
am unwichtigsten ist. Ich werde das, was ich da lerne, nie in meinem
künftigen Lehrerleben brauchen. Trotzdem verschlingt es 90%
meiner Studienzeit. Bulimie-Lernen ist dieses Wochenende angesagt.
Kurz vor der Prüfung mit Fakten und Begriffen vollstopfen, bei
der Klausur alles von mir geben und es danach wieder vergessen.
Der Hortplatz ist auch sehr wichtig.
Und die Unterrichtsstunde, die ist direkt nach der Bio-Klausur, die
muss ich also auch dieses Wochenende ausarbeiten. Der Termin für
die Abgabe meiner Unterlagen bei der zentralen Gebührenstelle
(die sind für die Kindergartenbesuchsgebühren zuständig)
rückt auch immer näher, darum muss ich mich also auch
schnell kümmern. Den Rest schiebe ich erstmal, bis es
dringlicher wird.
Julians Schulranzen schiebe ich schon
sehr lange, genauso wie die Sache mit dem Fußballverein. Dabei
weiß ich schon seit Monaten, dass er sich wünscht, in
einen Verein zu gehen. Ich muss aber erst einen suchen, der in der
Nähe ist, einen finden, die Zeiten abklären, überlegen,
wer das zahlen soll.
Warum muss ich immer die Bedürfnisse
und Wünsche meiner Kinder schieben? Warum muss ich mich als
erstes um Bio kümmern, das Unwichtigste von allem? Und um
lästige Bürokratieangelegenheiten wie Hortplatz und
Gebührenstelle? Da stimmt doch irgendwas nicht in meinem Leben.
Die Prioritäten sind vollkommen falsch verteilt!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen